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Astoria Greengrass - Druckversion

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Astoria Greengrass - Astoria Greengrass - 09.09.2026

Der Husten schüttelte den zierlichen Körper, während neben dem Bett eine Tasse heißer Tee stand und sich die junge Slytherin bis zur Nasenspitze in ihre Decke kuschelte. Eigentlich waren es sogar zwei Decken, in die sie sich kuschelte. Eine aus einem ganz weichen Teddystoff, in die sie ihre Beine und Füße eingewickelt hatte und eine dicke Daunenbettdecke, die sowieso immer auf ihrem Bett lag. Der weiche Stoff der Decken und das angenehme Gewicht auf ihrem zerbrechlichen Körper gaben ihr ein Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit. Und der Tee neben dem Bett half ihr dabei, nicht zu erfrieren. Denn ja, manchmal fühlte es sich so an. Die Kälte, mit der sie beinahe tagtäglich zu kämpfen hatte, war nicht von dieser Welt. Auch, wenn es nie jemanden gegeben hatte, der ihre Theorie bestätigen konnte, war Astoria der felsenfesten Überzeugung, dass genau dieses Symptom eine magische Begleiterscheinung des Fluches war, der sie auch heute wieder an ihr Bett fesselte. Draußen war es nicht einmal besonders kalt, aber sie brauchte dicke Socken, eine Teddy- und eine Daunendecke, um aufzuhören zu zittern. Kurz war ihr der Gedanken gekommen im Krankenflügel vorbei zu schauen, doch sie kannte die Antworten auf die nicht gestellten Fragen sowieso schon. Offiziell war es ihr Immunsystem, das einfach sehr schwach war. Ein kränkliches Kind, nichts weltbewegendes. Nur jemand, der gut auf sich aufpassen, viel Tee trinken und langsam machen musste. Und es gab genau zwei Menschen in diesem riesigen Schloss, die wussten, dass das nicht helfen würde. Die Kälte, die ihre Organe in einem Klammergriff zu umfassen schien, war magisch bedingt. Es lag nicht nur an ihrem zierlichen Körperbau, sondern an der Tatsache, dass ihr Blut verflucht war. Klang dramatisch? War es irgendwie auch. Aber Astoria hatte sich damit abgefunden. Sie kannte es schließlich nicht anders. Erstmals war der Fluch im Alter von 2 Jahren aufgefallen, als sie als kleines Kind beim Spielen plötzlich ohnmächtig wurde. Und seitdem war das hier ihr Leben: dicke Decken, Tage und Abende innerhalb des Schlafsaal der Slytherin-Mädchen, während ihre Freundinnen draußen in der Bibliothek lernen, den Hausarbeiten nachgingen oder auf den Ländereien picknickten. Tage, an denen sie die Kälte gar nicht loswurde und jeder zurückzuckte, den sie anfasste, weil ihre Finger ganz eisig waren. Manchmal sogar Tage, an denen sie gar nicht am Unterricht teilnehmen konnte, weil sie ihre Zeit im Krankenflügel verbrachte.

Hatte sie jemals darüber nachgedacht, wie es wohl gewesen wäre, wenn sie nicht an diesem Fluch erkrankt wäre? Definitiv. Hat sie sich so sehr in Heilkunde gestürzt, wie es ihre ältere Schwestern getan hatte, um eine Chance auf Heilung zu finden? Ganz sicher nicht. Astoria war mehr das Team: Annehmen, Krönchen richten und das Beste draus machen. Und was ihr niemand hatte vorher sagen können, waren die Gedanken und die Schuldgefühle, die mit einem solchen Fluch einher gingen. Natürlich gab es da die körperliche Seite, ihr Blut, das nicht ausreichend produziert wurde, das die alltäglichen Aufgaben nicht vollständig übernehmen konnte und so viele unterschiedliche Probleme verursachte, doch... es gab noch eine andere Seite. Die psychische Komponente machte der 14-Jährigen zunehmend zu schaffen. Gedanken, die sie nie hatte haben wollen, suchten sie seit Monaten heim und verfolgten sie bis in ihre Träume. Gedanken, die so starke Schuldgefühle auslösten, dass sie teilweise weinend aufwachte und stundenlang danach nicht mehr einschlafen konnte. Denn diese Gedanken drehten sich ausschließlich um die Frage, wie ihr Leben wohl verlaufen wäre, wenn nicht sie diejenige gewesen wäre, die an dem Fluch erkrankte, sondern... Daphne. Ihre große Schwester. Ihre große, wunderbare, tolle und aufopfernde Schwester, die alles für Astoria tun würde. Die die Welt in Flammen setzen würde, nur, damit es ihr besser ging. Die wie eine Löwin brüllte, wenn Astoria jemand ein Haar krümmen wollte. Dass sie diese Gedanken vor einigen Monaten das erste Mal gehabt hatte, hatte die junge Schülerin zutiefst erschrocken. Es hat sie tagelang beschäftigt, sodass sie bei allen alltäglichen Dingen so große Konzentrationsschwierigkeiten hatte, dass sie tagelang dem Unterricht fern bleiben musste. Und als das erste Mal dieser Traum aufgetaucht war, war Astoria vollständig am Boden zerstört gewesen. Dieses Leben gezeigt zu bekommen, was man gleichzeitig so herbei sehnt und sich im gleichen Atemzug denkt, dass alles daran so falsch war, wie ein Troll in Hogwarts... Erzählt hat sie davon bisher noch niemandem, außer ihrem Tagebuch. Und selbst das hat kaum geholfen. Diese Gedanken aufzuschreiben hat es fast nur noch schlimmer gemacht. Wochen waren vergangen, ehe sie formulieren konnte, was da in ihrem Kopf geschehen war und selbst heute fiel es ihr noch schwer, es in Worte zu fassen. Aussprechen würde sie das niemals.